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Ärzte

Ein Blick in die Zukunft?

Mehr Zeit für den Arzt, weniger Krankenhausaufenthalte und keine überforderten Patienten mehr - klingt das zu gut, um wahr zu sein?

Teamwork ist in der Patientenbehandlung in Deutschland alles andere als üblich. Ärzte sind es schlichtweg nicht gewohnt, die Kompetenzen anderer Mitspieler (z.B. Apotheker und Pflegekräfte) einzubinden. Dies wird sich künftig ändern, schenkt man den vielen Befragungen unter angehenden Medizinern Glauben. Vorerst lassen sich echte Teamwork-Modelle vorwiegend in den 119 derzeit laufenden Projekten zu neuen Versorgungsformen des Innovationsfonds finden. 89 weitere Projektanträge gingen auf die letzten beiden themenoffenen und themenspezifischen Förderbekanntmachungen des Gemeinsamen Bundesausschusses ein, über deren finanzielle Förderung voraussichtlich im Herbst 2019 entschieden wird. Ein bereits laufendes Projekt mit Teamgeist-Charakter ist Mambo - „Menschen ambulant betreut, optimal versorgt“. Konsortialführer ist die pronova BKK; Partner sind das Regionale Gesundheitsnetz Leverkusen eG und das Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR/Direktor Prof. Dr. Holger Pfaff) der Universität Köln, welches die Ergebnisse wissenschaftlich evaluiert.

Das Projekt startete im Sommer 2017 und läuft offiziell bis Juni 2020. Das Wort Mambo bedeutet in der vorwiegend im ostafrikanischen Raum gesprochenen Sprache Swahili soviel wie „Angelegenheiten“. Und auch wenn die Verbindung nicht beabsichtigt war - sie könnte nicht besser passen. Denn in Mambo geht es vor allem um die Delegation und Substitution von Leistungen, damit der Arzt ausreichend Freiräume erhält, um sich wieder um seine wirklich wichtigen Angelegenheiten – die Therapie von Patienten – kümmern zu können.

In das Mambo-Programm können Patienten aufgenommen werden, die drei chronische Erkrankungen oder sieben Medikamente in der Dauerverordnung haben. Dass viele der aktuell 2060 eingeschriebenen Patienten demnach älter sind, liegt auf der Hand. Von Mambo sollen aber auch jüngere Patienten mit speziellen Krankheits- und Lebenssituationen profitieren. „Bei den jüngeren Patienten steht eher die Unterstützung des Krankheits- bzw. Gesundheitsbewusstseins/Gesundheitskompetenz im Fokus, während die älteren Patienten von einer konkreten Organisations- und Koordinations-Unterstützung der Versorgung profitieren“, so Nicole Balke, Projektleiterin Mambo. Die Projektverantwortlichen sprechen von einem „festen Betreuungszyklus“, in den Patienten entsprechend ihres Befundes aufgenommen werden sollen. Und ohne MoniKa läuft da nichts. Die Monitoring- und Kommunikationsassistentinnen sollen die Informationslücken zwischen Patient und Arzt per Fall- und Versorgungsmanagement (Care und Case-Management) schließen. MoniKa soll unter anderem die häusliche Situation erfassen, beim Einbinden von Freunden und Familienmitgliedern unterstützen, eventuell erforderliche zusätzliche Maßnahmen wie Pflege oder Hilfsmittel aktivieren und Medikamente abgleichen. Finanziert wird die MoniKa über eine Pauschale pro Fall. Insgesamt erhielt das Mambo-Projekt 3,4 Millionen Euro aus dem Fördertopf des Innovationsfonds. Das Geld wird auf alle Konsortialpartner kostendeckend verteilt.

Krankenhaus vermeiden

Ein gezieltes Care und Case Management kann die ambulante beziehungsweise häusliche Situation des Patienten stabilisieren sowie Risikosituationen mit Eskalationspotential frühzeitig wahrnehmbar machen und eine präventive Intervention ermöglichen. Die Vermeidung unnötiger Krankenhaus-Aufenthalte ist ein explizit definiertes Ziel von Mambo. Gerade für ältere Menschen können diese eine erhebliche Belastung darstellen. „Eine stabile häusliche Situation ist ein großes Stück Lebensqualität. Auch mit unseren zusätzlichen Monitoring-Programmen für Herzinsuffizienz und COPD wollen wir im Sinne der Ambulant Sensitiven Krankenhausfälle (ASK) zusammen mit unseren Ärzten die ambulante Versorgung soweit stärken, dass gerade Krankenhauseinweisungen mit Liegezeiten unter vier Tagen durch gezielt getimtes Agieren vermieden werden können“, so Balke.

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Navigationsberaterin MoniKa

MoniKa wurde als mehr als nur eine Hilfe für den Arzt konzipiert. Sie ist gleichzeitig die Ansprechpartnerin für den Patienten im Informationsdschungel des komplexen Systems. MoniKa soll Patienten mit einer speziell ausgerichteten Bedarfsermittlung (Assessment) und der dazugehörigen Beratung beziehungsweise Organisation der entsprechenden Unterstützung im Gesundheitssystem zur Seite stehen. Darüber hinaus arbeitet MoniKa eng mit der Medizinischen Fachangestellten (Mambo-MFA) zusammen. Diese betreuen die Patienten in der Praxis, beantworten Fragen zu Mambo, und leiten Patienten bei Bedarf auch zur MoniKa weiter. Mambo-MFA, MoniKa und Arzt tauschen sich im Idealfall regelmäßig aus und halten ihre Ergebnisse in der digitalen Netzakte VitaLeV fest.

Sind die Ärzte überzeugt?

In vielen Innovationsfondsprojekten klaffen Pläne und Realität erst einmal auseinander. Die Hürde hat Mambo inzwischen erfolgreich genommen. Zwar seien wie bei jedem anderen Projekt teilweise viele Gespräche nötig gewesen, um bei Ärzten ein tieferes Projektverständnis zu schaffen und sie so für Mambo zu gewinnen. Doch mit jedem weiteren Patienten habe die anfängliche Skepsis abgenommen. „Die Ärzte hatten Sorgen, dass Mambo für sie einen erheblichen Mehraufwand bedeutet. Doch im bisherigen Projektverlauf sei vielen von ihnen immer klarer geworden, dass das Projekt ein Gewinn ist. Die Monikas und MFAs liefern wertvolle Beiträge und Informationen für die Diagnose und Behandlung der Patienten“, berichtet Balke. Mittlerweile beteiligen sich 38 der 80 niedergelassenen Haus- und Fachärzte des Regionalen Gesundheitsnetzes Leverkusen an dem Projekt. 

Weitere Informationen:
http://mambo-lev.de/