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Prävention

Heilbäder und Kurorte als Gesundheits-Kompetenzzentren

Heilbäder und Kurorte haben ihre Rolle als Gesundheits-Kompetenzzentren aktuell in den Fokus genommen und bieten zahlreiche Möglichkeiten der Prävention und Rehabilitation - insbesondere auch bei chronischen Erkrankungen. Eine aktuelle Studie von Dr. Sabine Meissner und Herbert Renn zeigt interessanten Perspektiven für die Gesundheitsversorgung auf.

Warum ein Heilbad/Kurort ein Gesundheitskompetenzzentrum ist

Was meint der auf den ersten Blick etwas sperrig daherkommende Begriff „Gesundheitskompetenzzentrum“ im Zusammenhang mit Heilbädern und Kurorten? Zentren sind die Orte in mehrfacher Hinsicht. Am offensichtlichsten sind sie es durch ihre geographische Lage. In ländlichen Regionen bündeln sie nicht nur Gesundheitsleistungen, sondern auch Versorgungsangebote für den täglichen Bedarf. Bezogen auf Gesundheitsleistungen fügen die Heilbäder und Kurorte Leistungen unterschiedlicher Versorgungsbereiche zusammen. So ist eine Voraussetzung zur Erlangung des Prädikates (= Heilbad, Kurort) die Sicherstellung der ambulanten Versorgung durch einen Badearzt. Mit Einführung der Anschlussheilbehandlung Ende der 1950er Jahre sind Heilbäder und Kurorte zu begehrten Standorten für Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen geworden2). Damit vereinen die Orte die beiden Sektoren des Gesundheitssystems: ambulante und stationäre Versorgung. Zugleich sind alle Bereiche der Gesundheitsversorgung angesprochen: Prävention, Kuration und Rehabilitation.

Physische und psychische Stärkung jenseits des Alltags

Zentren mit ganzheitlicher Gesundheitsausrichtung und -kompetenz sind die Heilbäder und Kurorte darüber hinaus originär mit ihrer inhaltlichen Ausrichtung der Kurortmedizin (Balneologie) 3). Dieses ganzheitliche Konzept zur Gesunderhaltung und Gesundung bezeichnet eine eigenständige medizinische Disziplin. Die Kur will den Menschen durch neue Impulse jenseits des Alltags psychisch wie physisch stärken. Die Aktivierung der Selbstheilungskräfte ist ebenfalls ein Ziel4). Einen ausführlichen Artikel zu der Wirksamkeit und Bedeutung der Selbstheilungskräfte des Körpers hat die Apotheken Umschau in ihrer aktuellen Ausgabe veröffentlicht (Vgl. S. Gibis: Der innere Arzt. In: Apotheken Umschau, 15. Juni 2019, S. 55-58). Weiteres Element kurörtlicher Therapie ist die Anwendung der ortsgebundenen Heilmittel (z. B. Heilwasser, Heilgase, Peloide, Luft/Klima) sowie der ortstypischen Heilverfahren (z. B. Kneipp, Felke, Schroth). Die Nachhaltigkeit der Verfahren ist sowohl erfahrungsmedizinisch als auch in Studien belegt. Die Mutter- oder Vater-Kind-Kur bspw. wirkt noch ein Jahr nach Abschluss der Kurmaßnahme positiv.5) Standorte für Gesundheit Dass sehr viele Rehakliniken tatsächlich in Heilbädern und Kurorten beheimatet sind, zeigt exemplarisch die Auswertung der Zeitschrift „Fokus Gesundheit“, Ausgabe Dezember/Januar 2018/2019: Knapp 77 % der dort ausgezeichneten orthopädischen Rehakliniken befinden sich in einem Heilbad oder Kurort. Die onkologischen Rehakliniken haben zu 71 % ihren Standort in einem Heilbad oder Kurort, bei der Indikation Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind es immerhin noch 64 %. Das sind weit mehr als die Hälfte der in diese Studie einbezogenen Rehabilitationsangebote.

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In Heilbädern und Kurorten sind die Rehakliniken nicht nur traditionell ein gewachsener und wichtiger Bestandteil. Sie nutzen Vorteile, die durch die Prädikatisierung garantiert werden. Das ist die hohe Struktur- und Angebotsqualität des kurörtlichen Ambientes genauso, wie die garantierten Umweltbedingungen, bspw. des Bioklimas und der Luftqualität. Zusammen ergibt sich dadurch eine hohe Aufenthaltsqualität, eine spürbare Genesungsatmosphäre.

Besonders chronisch Kranke profitieren von der Balneologie

Die hohe Akzeptanz der kurortmedizinischen Angebote für die Patienten und die mit diesen Angeboten verbesserte Gesundheitsversorgung in den Kurorten und deren Regionen spiegelt sich in der enormen Bedeutung der genannten Indikationen für die Versicherten wider. Mit den kurörtlichen Heilverfahren werden vorwiegend nicht übertragbare, vielfach chronische Krankheiten behandelt und/oder diesen vorgebeugt. Die Auswertung der Daten der „Global Burden of Disease Study“ (GBD) aus dem Jahr 2010 für Deutschland6) zeigt, dass der Verlust an gesunden Lebensjahren durch Erkrankungen oder Todesursachen bei den Frauen maßgeblich durch muskuloskelettale Erkrankungen, Herz-Kreislauf- Erkrankungen und Krebs verursacht ist – allesamt chronische Erkrankungen. Bei den Männern sind es dieselben Krankheiten, jedoch in geänderter Reihenfolge: Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefolgt von Krebs und muskuloskelettalen Erkrankungen. Damit ist das in den Heilbädern und Kuror ten behandelte Indikationsspektrum kein Nebenschauplatz, sondern belegt die elementare Wichtigkeit für die Menschen.

Die vollständige Studie finden Sie als PDF im Anhang. Die Publikation stammt aus der Juli-Ausgabe der Fachzeitschrift AB Archiv des Badewesens (AB 07/2019, Seite 451 ff.). Weitere Infos und Abo auf www.baederportal.com

Heilbäder als Gesundheitszentren