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Meet the late Gen Y & early Gen Z: Interview mit Pia (23) aus Berlin

Das letzte Interview unserer Interview-Reihe „MEET THE LATE GEN Y & EARLY GEN Z“ durften wir mit Pia führen. Die 23-Jährige machte dieses Jahr ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaften an einer holländischen Universität und zog vor wenigen Wochen nach Berlin, um dort ab Oktober ein Praktikum zu beginnen. Aus unserem Gespräch ergaben sich vielerlei Eindrücke hinsichtlich ihrer Lebens- und Vorstellungswelten, die im Folgenden zusammengefasst wiedergegeben werden sollen.

„ICH BRAUCHE MEIN SOZIALLEBEN ALS AUSGLEICH ZUR UNI“

Weil das Praktikum meiner Interviewpartnerin Corona-bedingt nicht wie geplant im September, sondern erst im Oktober beginnt, habe sie aktuell sehr viel Freizeit, die von ihr vielseitig genutzt werde. Da ihr Umzug nach Berlin nur wenige Wochen zurückliegt, sei sie momentan bemüht, Berlin zu erkunden. Auch Musik und Fotografie würden wichtige Komponenten ihres Alltags darstellen. Die 23-Jährige erzählt mir, dass sie sich außerdem gerne mit Freundinnen und Freunden treffe und regelmäßig auf Konzerte unterschiedlicher Interpreten gehe.

Ihrem Sozialleben, welches sie im Zuge der Corona-Pandemie maßgeblich eingeschränkt habe, schreibt Pia einen hohen Stellenwert zu. Die Zeit mit ihren sechs engen Freundinnen und Freunden sowie weiteren guten Bekannten habe in Anbetracht ihres Studiums einen Ausgleich zum oftmals stressigen Unialltag dargestellt. Neben Konzerten gehe meine Interviewpartnerin gerne in Bars und besuche Festivals, wo die regelmäßige Raucherin zwar Alkohol trinke, vom Konsum anderer Substanzen allerdings absehe. An Clubs, deren Atmosphäre sie meist als bedrückend und überfordernd wahrnimmt, finde sie hingegen weniger Gefallen.

Eigenen Angaben zufolge verbringt Pia zu viel Zeit auf den Sozialen Medien, denen sie sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf ihr allgemeines Wohlbefinden zuschreibt: Einerseits bleibe man insbesondere durch die Nutzung der Plattform „Instagram“ über das aktuelle Weltgeschehen informiert, andererseits würden Beiträge anderer Art dazu führen, dass sie ihr Leben mit dem Anderer vergleicht und sich im Endeffekt schlecht fühlt. Daraus resultiere auch hin und wieder die sogenannte „Fear Of Missing Out“ meiner Interviewpartnerin.

„ICH HABE ZWAR GUTE NOTEN, KÖNNTE ABER NOCH BESSER SEIN“

Als ich Pia frage, ob die Wahl ihres bereits abgeschlossenen Bachelor-Studiums die Richtige gewesen sei, erklärt sie mir, dass sie diese Frage nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bejahen könne. Zwar hätten ihr einige Aspekte des Studiums wie beispielsweise Einblicke in das journalistische Arbeiten gefallen, jegliche das Marketing betreffende Themenbereiche sprachen sie hingegen nicht sonderlich an. Daher schließt die 23-Jährige eine berufliche Umorientierung nicht aus.

Mit ihrer Universität sei meine Interviewpartnerin sehr zufrieden gewesen: „Im Vergleich mit den Erzählungen meiner Freunde, die in Deutschland studieren, ist das Studium dort ganz anders.“ Diese Andersartigkeit manifestiere sich in einem lockeren Ambiente, in der Nähe zu den Professoren sowie deren stetige Unterstützung.

Obwohl Pia gute Noten schreibt und einen 1er-Schnitt vorzuweisen hat, sei sie aufgrund ihrer perfektionistischen Ader dennoch der Meinung, dass ihre Leistungen noch besser sein könnten. Daraus resultiere eine Art selbstgemachte Überforderung, die sie nicht nur bei ihr selbst, sondern auch bei anderen Studierenden feststellt.

Weil sie selbst keinen Anspruch auf BaFöG habe, möchte sich Pia nicht anmaßen, über die staatliche Unterstützung der Studentinnen und Studenten in Deutschland zu urteilen. Allerdings habe sie von Freundinnen und Freunden mitbekommen, dass Viele ihren Nebenjob verloren hätten und die unzureichende finanzielle Unterstützung seitens des Staats sehr lange auf sich warten ließ.

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„MAN SOLLTE IMMER DAS FRAMING DER BERICHTERSTATTUNG HINTERFRAGEN“

Meine Interviewpartnerin erzählt mir, dass sie ein ausgeprägtes Interesse für Politik, insbesondere Sozialpolitik habe. Sie geht nicht nur wählen, sondern auch regelmäßig auf Demonstrationen. Zudem teilt sie auf den Sozialen Medien informative Beiträge sowie ihre persönliche Meinung, wobei sie den sogenannten Instagram-Aktivismus stets kritisch betrachtet. Oftmals stünde schließlich nicht wahrhaftiges Interesse, sondern nur die Vortäuschung dessen dahinter.

Um sich über das derzeitige politische Geschehen zu informieren, greift Pia neben Instagram-Accounts von verschiedenen Nachrichtendiensten auf Online-Präsenzen von Magazinen zurück. Sie fühle sich gut informiert und zweifle nicht übermäßig an der deutschen Berichterstattung, sei sich aber dennoch darüber bewusst, dass man das Framing, welches Pia in Bezug auf die Corona-Pandemie im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit untersuchte, stets hinterfragen sollte. Von Verschwörungstheorien, mit denen die 23-Jährige im familiären Umfeld bereits in Kontakt gekommen sei, halte sie gar nichts.

Ihre politische Orientierung bezeichnet meine Interviewpartnerin als „relativ links“, weshalb sie sich über ein gutes Abschneiden der Grünen in der nächsten Bundestagswahl freuen würde. Jene Mentalität spiegelt sich auch in ihrer Beantwortung meiner Frage, welche Themen in ihren Augen zum aktuellen Zeitpunkt besonders relevant seien, wieder: Eine gerechte Lösung für die zahlreichen Geflüchteten in Moria, ein angemessener Umgang mit der Corona-Pandemie und ein Fokus auf die Klimapolitik sowie soziale Ungleichheiten, die sich unter Anderem im noch immer vorherrschenden Rassismus und Sexismus abzeichnen.

„SPORT TREIBE ICH VOR ALLEM FÜR MEINE MENTALE GESUNDHEIT“

Meine Interviewpartnerin sagt, dass sie auf ihre eigene Gesundheit achte und diese aufgrund ihrer neurologischen Krankheit nicht als selbstverständlich hinnehme. Diese Aussage bestätigt sich darin, dass sie sich gelegentlich Sorgen um ihre eigene Gesundheit, aber auch die Anderer mache.

Im Zuge der Corona-Pandemie habe Pia wieder angefangen, Sport zu treiben. Während die Fitnessstudios geschlossen waren, sei sie Joggen gegangen und habe Yoga-Übungen praktiziert. Mittlerweile gehe sie durchschnittlich zwei bis drei Mal pro Woche ins Fitnessstudio. Dies wirke sich sich positiv auf ihre Stimmung aus und diene mehr ihrer mentalen als ihrer körperlichen Gesundheit. Auch wenn die Vegetarierin sich nicht sonderlich viel mit dem Thema Ernährung beschäftige, achte sie darauf, zumindest zuhause gesund zu kochen. Seit sie in Berlin wohnt, gehe sie aufgrund des mannigfaltigen Angebots an Restaurants häufiger auswärts und dementsprechend „ungesünder“ essen.

Ihren Schlafrhythmus bezeichnet meine Interviewpartnerin als sehr unregelmäßig. Mal schlafe sie bereits um 21 Uhr ein und wache morgens um 6 Uhr auf, während sie in anderen Nächten kaum einschlafen könne und bis in die Morgenstunden wachliege. Dennoch komme sie durchschnittlich auf sechs Stunden Schlaf pro Nacht.

Durch das deutsche Gesundheitssystem fühlt Pia sich hinreichend gesichert, bemängelt allerdings das „Zwei-Klassen-System“ im Hinblick auf die Krankenversicherung, unter dem vor allem gesetzlich Versicherte leiden würden. Trotzdessen schätzt sie die medizinische Versorgung innerhalb Deutschlands im internationalen Vergleich als gut ein.

SCHLUSSWORT

Schließlich bitte ich Pia um einige abschließende Worte und sie entgegnet mir: „Ich finde es schade, dass die Probleme, die Deutschland mit Rechtsextremismus oder Rassismus hat, sehr oft relativiert werden. Der Klimawandel ist zwar weitestgehend anerkannt, aber genug getan wird auch in dieser Hinsicht nicht. Mich stört es, dass in all diesen Bereichen einfach nicht genug passiert. Glücklich macht mich hingegen, dass ich mitbekomme, wieviele Menschen so ähnlich wie ich über derartige Themen denken. Das spendet Hoffnung. Und für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Stimmen junger Menschen gehört und endlich ernstgenommen werden.“