Foto: © Schlütersche - Andrea Wiedermann

Pflegepolitik

Parameter der Pflegepersonalbemessung modernisieren?

Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) fordert eine Erweiterung und Aktualisierung der vorhandenen Parameter der Pflegepersonalbemessung.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Deutsche Pflegerat (DPR) und die Vereinte Dienstleistungsgesellschaft ver.di diskutieren in diesem Moment in Berlin die Eckpunkte für die Entwicklung eines Instruments zur Bemessung des Pflegepersonalbedarfs und der Pflegepersonalausstattung für alle bettenführenden Bereiche deutscher Krankenhäuser - wir waren vor Ort und berichten hier.

Grundlage dieses Pflegepersonalbemessungsinstruments, das künftig die Grundlage für die Verhandlung der Pflegebudgets darstellen wird, ist die in den 1990er Jahren entwickelte Struktur der Pflegepersonal-Regelung (PPR). Dazu Christoph Radbruch, Vorsitzender des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes (DEKV): "Aus unserer Sicht ist eine Modernisierung der PPR dringend notwendig, um den Entwicklungen in der Pflege in den vergangenen 30 Jahren sowie den aktuellen Anforderungen an eine qualitativ hochwertige und sichere Patientenversorgung gerecht zu werden. Dazu müssen die vorhandenen Parameter aktualisiert und erweitert werden. So sind Anpassungen von Tätigkeiten und Aufgaben wie auch des Zeitaufwands notwendig, um den heutigen Krankenhausalltag in der Pflege realistisch abzubilden. Auch den Veränderungen durch das Pflegeberufegesetz muss in dem Instrument zur Pflegepersonalbemessung Rechnung getragen werden: So gilt es, die neuen Vorbehaltsaufgaben wie die Pflegediagnostik von Anfang an zu berücksichtigen. Zudem muss es sich bei dem neuen Instrument um ein lernendes System handeln, das flexibel und schnell anpassungsfähig ist. Nur so kann es die Veränderungen in der Pflege zeitnah und passgenau abbilden."

Weiterentwicklung erfordert fachliche Diskussion

Der DEKV wird in der DKG-Arbeitsgruppe "Pflegepersonalbedarfsbemessung" mitarbeiten. Als Vertreterin wurde die Krankenhaus- und Pflegeexpertin Katja Rosenthal-Schleicher, Referentin der Pflegedirektion des Evangelischen Klinikums Bethel der von Bodelschwinghschen Stiftungen, benannt. "Wir freuen uns auf die fachliche Diskussion, um die PPR den aktuellen Erfordernissen anzupassen. Gemeinsames Ziel ist es, ein valides Instrument zur Budgetfindung zu entwickeln. Daher kann die weiterentwickelte PPR künftig ganz anders aussehen als das jetzige Instrument. Es muss eine zeitgemäße und zukunftsorientierte qualifizierte pflegerische Patientenversorgung ebenso gewährleisten und abbilden wie auch die Patientensicherheit. Eine weitere Anforderung ist die Nutzbarkeit als zuverlässiges Instrument zum internen und externen Benchmarking des Pflegepersonalbedarfs. Aus Sicht der evangelischen Krankenhäuser ist darüber hinaus eine hochwertige Patientenversorgung nur dann möglich, wenn auch die Bedürfnisse vulnerabler Patientengruppen Berücksichtigung finden. Hier ist die Beziehungsarbeit ein zentrales Element der Versorgung. Daher gilt es, Beratung, Zuwendung und Beziehungsarbeit in der neuen PPR unbedingt mitzudenken", fordert Radbruch weiter.

Gute Pflege braucht Zusammenarbeit

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat und ver.di an einem Tisch – das kommt nicht allzu häufig vor. Bei der Entwicklung eines Instrumentes zur Pflegepersonalbemessung sehen die drei Akteure allerdings keinen anderen Weg. Doch konkrete Zahlen und Ergebnisse liegen (noch) nicht vor.
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