Prävention

Patientenbriefe gewinnen den Berliner Gesundheitspreis 2019

Am gestrigen Abend wurde der Berliner Gesundheitspreis 2019 von AOK Bundesverband, AOK Nordost und Ärztekammer Berlin verliehen. Dieses Jahr im Mittelpunkt: Das Thema Gesundheitskompetenz.

Insgesamt 41 Projekte aus ganz Deutschland hatten sich beworben. „Wir geben viel zu viel Geld für Dinge und zu wenig Geld für Menschen aus. Im 19. Jahrhundert war sauberes Wasser die wichtigste Komponente für ein gesundes Leben. Im 21. Jahrhundert ist es sauberes Wissen“, so Dr. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, bei der Eröffnung.

Der erste Preis ging an die „Was hab ich?“ gGmbH und ihrem Konzept von Patientenbriefen in leicht verständlicher Sprache. Mit dem Patientenbrief greift das Team um Firmengründer Ansgar Jonietz greift das Team den Patientenwunsch nach einer verständlichen Befunderläuterung auf. Patienten sind dann befähigt, die richtigen Fragen beim Arzt zu stellen und selbstbestimmt bzw. im Zusammenspiel mit dem Arzt Entscheidungen besser zu treffen. Die automatisierte Lösung kann bundesweit ohne viel Aufwand in allen Krankenhäusern eingesetzt werden. Dotiert ist der erste Preis mit 25.000 Euro.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betonte in seiner Laudatio, dass sichere Gesundheitsinformationen niedrigschwellig angeboten werden müssten, sodass Fake News keine Chance hätten. "Wer gesund bleiben will, braucht gute, verständliche und verlässliche Informationen. Nur derjenige, der weiß, wann er zum Arzt gehen sollte, was gesundes Essen ist und wie viel Bewegung gut tut, wird in der Lage sein, Krankheiten so gut es geht zu vermeiden. Deshalb entwickeln wir derzeit ein digitales nationales Gesundheitsportal, auf dem sich jeder schnell, verständlich und werbefrei über alle Themen rund um Gesundheit und Pflege informieren kann“, so Spahn. Vier Millionen Euro wurden dafür im Haushalt des Jahres 2020 festgehalten.

Weitere Preise: ScienceKids und Patientenuniversität

Den zweiten Preis (15.000 Euro) erhielt das Projekt „ScienceKids“ aus Baden-Württemberg, bei dem Schüler seit 2006 durch eigenes Erleben Antworten auf Fragen zu gesunder Ernährung, Bewegung und seelischem Wohlbefinden finden sollen. Die Lehrmaterialien des partizipativen Konzepts lassen sich u.a. in unterschiedlichen Schulfächern und bei der Gestaltung von Projekttagen einsetzen. Entwickelt wurde das Programm vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung sowie der Stiftung Sport in der Schule gemeinsam mit Wissenschaftlern, Lehrkräften, Eltern und Schülern. Mittlerweile wird es in rund 1.000 Schulen in Baden-Württemberg eingesetzt. Aus Sicht der Jury sei das Projekt geeignet, um Grundlagen für eine gute Gesundheitskompetenz zu legen, so Jurymitglied Sabine Dittmar, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. „Eine Übertragung in die Bildungspläne anderer Länder wäre sehr wünschenswert.“ Der Aufwand sei gering. „Wir brauchen zudem zügig eine verpflichtende Lebensmittelkennzeichnung, ein Verbot von Lebensmittelwerbung für Kinder und ein ernstes Vorgehen bei der Reduktion von Zucker, Fett und Salz“, so Dittmar. Kinder sollten nicht nach der Schule im Supermarkt stehen und sich mit süßen Riegeln und Softdrinks eindecken.

Die "Patientenuniversität" an der Medizinischen Hochschule Hannover erhielt den dritten Preis. Seit ihrer Gründung 2007 hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, mit Vorlesungen und Aktionen laienverständliches Wissen zu vermitteln. Davon profitieren vor allem Menschen mit eher geringer Bildung, wie eigene Erhebungen der Patientenuniversität zeigen. Bislang haben mehr als 50.000 Teilnehmer die Veranstaltungen besucht. „Unsere normale Zielgruppe ist fünfzig plus. Da sind schwerere Erkrankungen von großem Interesse“, so Prof. Dr. Marie Luise Dierks von der Medizinischen Hochschule Hannover. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ahme die Idee bereits nach. Das Preisgeld für den dritten Platz beträgt 10.000 Euro.

Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK Bundesverbands, erklärte überzeugt: „Diese Beispiele sollen Nachahmer finden.“

Aus Berlin: Gunnar Göpel

Studie: Patientenbriefe verbessern Gesundheitskompetenz

Eine Pilotstudie zeigt: Patienten brauchen verständliche, individuelle und verlässliche Gesundheitsinformationen, denn dann verstehen sie ihre Krankheiten und Therapien besser. Die Studie führte das gemeinnützige Unternehmen "Was hab ich?" durch.
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